Die Handball-Bundesliga reformiert das Ligasystem.
Künftig gibt es nur noch vier Regionalligen. Diese heißen dann dritte Bundesliga. Der TV Hochdorf, die VTV Mundenheim und die TSG Haßloch qualifizierten sich für die neue Liga. Auf die pfälzischen Teams kommen reizvolle Derbys zu - zum Teil gegen Ex-Erstligisten.
Von Jochen Willner
HOCHDORF-ASSENHEIM. Die bisherige Handball-Regionalliga verschwindet. Doch die dritte Bundesliga unter der Spielleitung der Handball-Bundesliga (HbL) wird die Handball-Szene auch in der Region beleben. Denn: Die bisherigen pfälzischen Regionalligisten TV Hochdorf, VTV Mundenheim und die TSG Haßloch haben sich für die neue Liga qualifiziert. Die Handballfans dürfen sich somit auch auf weitere Derbys freuen, nachdem die HbL bei der Einteilung die drei Vereine gemeinsam mit der SG Leutershausen und TV Germania Großsachsen der Süd-Staffel zugeordnet hatte.
„Die Neueinteilung verspricht nochmals zusätzliche Attraktivität, da noch interessante Derbys mit Mannschaften auf der anderen Rheinseite anstehen", sind sich die beiden Trainer des TV Hochdorf und der VTV Mundenheim, Michael Pfeil und Marcus Muth, einig. Auch Richard Schüle, der Coach der TSG Haßloch findet diese Entscheidung gut. „Gleich fünf Gegner aus der Metropolregion Rhein-Neckar, das verspricht eine zusätzliche Brisanz", ergänzte Muth, der seit der vergangenen Woche mit der Saisonvorbereitung begonnen hat. Der TV Hochdorf startet seine Vorbereitung am 15. Juli. Künftig müssen die Vereine aber mit höheren Reisekosten in ihren Etats planen. „Es hätte aber noch schlimmer kommen können", meinte Muth mit Blick auf die Liga-Einteilung. „Statt nach Apolda oder Bad Blankenburg fahren wir jetzt eben nach Fürstenfeld, Söfingen und Konstanz", sagt der VTV-Trainer.
Viel spannender sieht er die sportliche Herausforderung. „Von den 15 Mannschaften kennt man einige nicht, da bleibt abzuwarten, wie wir da bestehen werden", meint Muth. So sieht es Michael Pfeil auch. „Die dritte Liga ist in jeglicher Hinsicht eine Herausforderung", ergänzt er. Auch deswegen, weil die Spielstärke der jeweiligen Gegner noch nicht eingeschätzt werden kann. „Eine Reform kann aber auch sehr schnell zu einem Abenteuer werden", weiß Pfeil aus eigener Erfahrung. Auch deswegen, weil einige Mannschaften in der Liga personell mit Ausländern und Ex-Nationalspielern aufrüsten. „Das geht bei einigen schon in Richtung Profisport", meint Marcus Muth. Hintergrund dieser Entwicklung könnte sein, dass einige Mannschaften den Abstieg nach der ersten Saison unbedingt vermeiden wollen. Immerhin müssen zum Ende der Spielzeit 2010/2011 gleich sechs Teams den Weg in die Oberligen antreten. Ein Grund, weshalb die pfälzischen Vereine nichts dem Zufall überlassen. So hat Pfeil als Saisonziel Platz fünf bis sieben für seine Mannschaft ausgegeben. Beim VTV Mundenheim will man alles dransetzen, im Konzert der 15 Mannschaften mindestens Platz neun zu erreichen, um den Verbleib in der Liga zu sichern. „Das wird schwer genug. Für einige unserer Jungs ist diese Liga ein Riesensprung. Wir wollen sehen, was geht. Zunächst freuen wir uns, dass wir dabei sind", sagt Muth.
Zur Sache: Was verbirgt sich hinter der Ligareform im Handball?
Seit 2006 beschäftigt sich eine Arbeitsgruppe der Handball-Bundesliga (HbL) mit der Ligareform. Sie sieht vor, die derzeit zwei 2. Ligen Nord und Süd zu einer eingleisigen 2. Bundesliga zu verschmelzen. Von den derzeit einst sechs Regionalligen bleiben noch vier übrig (Nord, Ost, West und Süd). Die Einteilung der jeweils 15 beziehungsweise 16 Mannschaften erfolgt ausschließlich nach geografischen Gesichtspunkten. Die Regionalligen heißen nun dritte Bundesliga. Mir dieser Reform erwartet die Handball-Bundesliga eine fortschreitende Professionalisierung und eine damit einhergehende optimierte Vermarktungssituation. Doch nicht alle Vereine waren von der Reform angetan. 85 Prozent der Klubs stimmten Anfang Februar 2009 für die Reform. Die Vereine befürchten zu hohe Belastungen. Die HbL musste viel Überzeugungsarbeit leisten. So gleicht die Solidaritätsgemeinschaft zum Beispiel steigende Reisekosten aus, die die Budgets einzelner Clubs verstärkt belasten werden.
Für die dritthöchste Liga haben sich jeweils die zehn besten Mannschaften der bisherigen sechs Regionalligen qualifiziert. Die Regionalliga-Meister sind direkt in die zweite Liga aufgestiegen. Die übrigen Vereine ab Platz elf in den bisherigen Regionalligen mussten den Gang in die jeweiligen Oberligen der Landesverbände antreten. Bundesweit wird es künftig zwölf Oberligen geben. Zur Saison 2011/2012 wird dann die eingleisige 2. Bundesliga mit 20 Mannschaften eingeführt. Ab dieser Runde wird es dann auch die vier dritten Ligen geben. (wij/mne)
Quelle: Verlag: DIE RHEINPFALZ Publikation: Ludwigshafener Rundschau Ausgabe: Nr.150 Datum: Freitag, den 02. Juli 2010 Seite: Nr.25 "Deep-Link"-Referenznummer: '6557545' Präsentiert durch DIE RHEINPFALZ Web:digiPaper